216. Jour Fixe der Stiftung ex oriente
Löwen als Geschenk – War der chinesische Hof erfreut?
09. Januar 2026 um 19:30 Uhr im Konfuzius-Institut München oder via Zoom und Youtube-Livestram.
Referent: Prof. Ralph Kauz
Löwen war in China nie heimisch; der Persische Löwe (Panthera leo persica), auch Asiatischer Löwe genannt, war nur in Westasien, Indien und in Südosteuropa verbreitet, und von dieser Unterart gibt es heute nur noch kümmerliche Reste im Gir-Nationalpark in der indischen Provinz Gujarat. Wer nun in Peking den Sommerpalast oder auch viele andere Tempel und Amtsgebäude in China besichtigt, mag deshalb erstaunt sein, häufig Löwen als "Wächter" vor Eingängen zu finden – so aber auch in München vor der Residenz. Obwohl es Löwen in China also nie gab, war doch das Wissen über diese Raubtiere weitverbreitet, und sie genossen eine ähnlich hohe Verehrung wie im Westen, wo sie als Wappentiere häufig zu finden sind. Im vor etwa 2000 Jahren kompilierten lexikographischen Werk Erya 尔雅 steht sogar, dass er Tiger und Leoparden verspeise, also höher als diese einzuordnen sei. Löwen wurden schon in der Östlichen Han-Dynastie (25–220) als Tributgeschenke von Zentralasien an den chinesischen Hof gebracht. Besonders viele Aufzeichnungen über "Tributlöwen" finden sich jedoch erst unter der Ming-Dynastie (1368–1644), sie wurden in historischen Aufzeichnungen, Gedichten und sogar in Bildern verewigt. Dabei war sie aber durchaus nicht immer willkommen, denn die Raubtiere mussten ja verpflegt werden, und der praktische Aspekt der Kosten für diese Pflege wurde von Beamten, die sich um die Staatskasse sorgten, hervorgehoben und eben auch moniert. Löwen als Tributgeschenk und die Diskussionen der Beamten hierüber zeigen also Aspekte der historischen Diplomatie Chinas auf, von denen sich durchaus Parallelen zur Moderne ziehen lassen.
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