218. Jour Fixe der Stiftung ex oriente
Von Perlen bis zu Elefanten: qarakhanidische Tiere und tierische Produkte für China
13. März 2026 um 19:30 Uhr im Konfuzius-Institut München oder via Zoom und Youtube-Livestream.
Referentin: Frau Dr. Dilnoza Duturaeva (BA, MA, PhD, FRHistS)
Die Qarakhaniden standen in dynamischen Austauschbeziehungen mit Song-China. Hierbei spielten Tiere eine Schlüsselrolle. Elefanten, Löwen, Pferde und Kamele reisten als "diplomatische Geschenke" ins Reich der Mitte, ebenso Waren tierischen Ursprungs, etwa Seide, Pelze, Perlen und Elfenbein. Freilich gelangten manche Tiere und Dinge eher durch Eroberung als durch Diplomatie in "Umlauf". So ein tanzender Elefant, den der König von Khotan während einer Schlacht gegen die Qarakhaniden einfing und später dem Song-Kaiser als Geschenk übergab. Ganz anders die Rolle der „einhöckrigen Kamele“: Sie halfen beim Erschließen alternativer Handelswege. Doch der Vortrag möchte nicht nur die diplomatischen Kontakte zwischen China und den Qarakhaniden beleuchten; vielmehr wird er anhand chinesischer und zentralasiatischer Quellen zeigen, wie Tiere den Handel, die Verbreitung von Ideen und ökologischem Wissen, ja, den gesamten kulturellen Austausch in der eurasischen Großregion während des 10. bis 12. Jahrhunderts maßgeblich prägten.
Über die Referentin:
Dr. Dilnoza Duturaeva (BA, MA, PhD, FRHistS) ist Dozentin für mittelalterliche Geschichte an der University of York und Mitglied des Centre for Medieval Studies. Sie studierte an der Tashkent State University of Oriental Studies und promovierte an der Akademie der Wissenschaften Usbekistans. Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und an die University of Wisconsin–Madison.
Vor ihrem Wechsel an die University of York im Jahr 2023 war sie DFG-Forschungsstipendiatin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris, Senior Research Fellow an der Akademie der Wissenschaften Usbekistans sowie Humboldt- und Gerda Henkel-Stipendiatin an den Universitäten Bonn und Nanjing.
Ihre Forschung untersucht Globalisierungsprozesse und Handelsnetzwerke in Eurasien in der Vormoderne, insbesondere die Verbindungen zwischen Zentralasien und China. In ihrem Buch Qarakhanid Roads to China (Brill, 2022) analysiert sie sino-türkische Diplomatie- und Handelsbeziehungen des 10.–12. Jahrhunderts und hinterfragt die These einer „Seidenstraßenkrise“.
Derzeit arbeitet sie an zwei Projekten: Zum einen erforscht sie transasiatische Karawanenrouten des 14.–17. Jahrhunderts, die Moghulistan mit Ming-China, Zentralasien und Indien verbanden, und untersucht deren Bedeutung für Handel, Diplomatie und kulturellen Austausch. Zum anderen widmet sie sich Mensch-Tier-Beziehungen entlang der Seidenstraßen. Beide Projekte zielen darauf ab, die Rolle Zentralasiens in der Vormoderne und Frühen Neuzeit neu einzuordnen und seine Bedeutung im eurasischen Kontext stärker herauszustellen.
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